Soziales Tango Tanzen

Soziales Tango Tanzen

Soziales Tango Tanzen:

Woher sollen Menschen, die neu zum Tango kommen, wissen was sich auf einer Tango-Tanzveranstaltung (Milonga) gehört, und was nicht? Wir als nicht-Argentinier sind alle Gäste in der Tangokultur, wir wachsen nicht von klein auf hinein, wie es früher in Argentinien üblich war. Es braucht also einen „Vermittler“ zwischen dem richtigen Leben und der Tangowelt. Nun, wer kann diese Funktion ausüben? Unseres Erachtens nach muss der Tangolehrer diese wichtige Position besetzen – er hat die nötige Praxiserfahrung. Wir vermitteln diesen Kodex in jedem Anfängerkurs: Vom galanten Auffordern hin, wie es auf traditionellen Milongas weltweit üblich ist, bis zum ersten, Milongabesuch nach etwa zehn Kurstagen.

Unter sozialem Tanzen verstehen wir das achtsame Miteinander aller Gäste auf der Milonga. Dreh- und Angelpunkt hierbei ist die  „Ronda“ (Span. Runde, Rundgang), in der sich die tanzen Paare im Idealfall in gleichmäßigen Abständen organisieren. In diesem Zusammenhang bedeutet soziales Tanzen, dass der Führende nicht nur für „seine“ Folgende tanzt, sondern auch für das Paar hinter und vor ihm.
Das heisst konkret, dass ich als Führender nicht auf das vordere Paar zu nah auftanze oder gegen die Tanzrichtung agiere. Ein Führender sollte genug Ressourcen haben um neben den komplexen Führungsaufgaben auch die Paardynamik der unmittelbar ihn umgebenden Paare (tanzende UND nicht tanzende) im Auge zu behalten. Ähnlich wie im Straßenverkehr gilt: vorausschauend Fahren, respektive Tanzen!

Wir tanzen auf einer Milonga also in unserer Komfortzone, wir machen das, was wir gut können. Unsere Aufgabe als Tangolehrer ist es, diese Regeln zu unterrichten und selbst zu vorzuleben.

Soziales Tanzen bedeutet zusammengefasst die Berücksichtigung aller Codigos (Regeln) einer traditionellen Milonga, nicht nur während man sich in der Ronda befindet, sondern auch und gerade beim „Einfädeln“ in die tanzende Runde. Stichwort „Cabeceo zwischen Führenden“.

Aber nicht nur der Führende ist gefragt, sondern auch die Tanguera: Einige wenige Damen rennen den Herren voraus in die Ronda, ohne die tanzenden Paare zu beachten.  Das ist ungefähr so, als wenn jemand auf der Autobahn vom Standstreifen aus in den fließenden Verkehr fährt, ohne nach diesem zu schauen.

WENN jedoch einmal ein Zusammenstoß vorkommt (das kann ja passieren), dann sollte auf jeden Fall Blickkontakt gesucht werden und ggf. ist eine Entschuldigung fällig. Ein Abend ist leider allzu schnell ruiniert, wenn man in so ein „Hauen und Stechen“ involviert wird und die „Täter“ einfach weiter tanzen.

Nur wenn sich der überwiegende Großteil der Gäste an die Regeln hält, dann stellt sich auf einer Milonga eine schöne Stimmung durch das achtsame Miteinander ein. Um noch einmal den Straßenverkehr zu zitieren: Wir sind fest davon überzeugt, dass weniger Unfälle passieren würde, wenn man mehr aufeinander aufpassen würde und nicht ausschliesslich auf sich selbst fokussiert sich in einer Gemeinschaft bewegt.

Eine Milonga hat übrigens dann ein hohes Niveau, wenn diese Códigos gelebt werden, nicht wenn komplizierte Figuren getanzt werden. In diesem Sinne sind auch und gerade Anfänger, welche die Regeln kennen und danach agieren, sehr gerne auf Milongas gesehen.

Soziales Tanzen ist in unserem Unterricht ein zentrales Thema.

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